Vermittlung als Lebensthema

Vermittlung in Konflikten ist ein Lebensthema für mich. Das wird in in einer Kindergartenanekdote deutlich: Ein Kind, das ein anderes geboxt hatte, irritierte ich mit der Frage: “Warum schlägst du ihn?” Meine Erzieherin vermutete daraufhin, ich würde einmal Pfarrer werden. Damit hatte sie doppelt recht: Ich wurde Pfarrer. Und ich vermittle gerne.

Das Erste beim Vermitteln ist das Verstehen. Wie ein roter Faden zieht sich durch  meine Biographie das Bemühen, unterschiedliche Perspektiven auf die Welt zu verstehen.

So in meinem breiten Studium der Natur-, Geistes- und Rechtswissenschaften:

  • Nach dem Abitur studierte ich einige Semester Physik an der TU München und lernte so eine mathematisch-naturwissenschaftliche Perspektive auf die Welt kennen. In dieser Zeit arbeitete ich auch als Werkstudent in einem Großforschungsinstitut und in der Stromindustrie.
  • Einen ganz anderen Zugang zur Wirklichkeit lernte ich in meinem Studium der Evangelischen Theologie (1996-2002) an der LMU München, das ich mit kirchlichem Examen (Diplom) abschloss. Dort wurde das Christentum als Teil unserer Kultur im Dialog mit Geschichtswissenschaft, Philosophie und Soziologie beschrieben. Diese deskriptiv-verstehende Perspektive spielt für mich eine große Rolle in der Mediation: Wenn etwa der eine Konfliktpartner sagt “Das ist ungerecht!” und der andere “Nein, das ist gerecht so!”, so hilft mir mein Studium, zu verstehen, welches Verständnis der Situation und welche Vorstellung von Gerechtigkeit hinter den Aussagen steckt.
  • Anschließend beschäftigte ich mich im Rahmen des Zusatzstudiums Wirtschafts- und Arbeitsrecht an der Fernuniversität Hagen (2002-04) noch ein wenig mit Jura.

Seit 2002 bin ich hauptberuflich in der Evangelischen Kirche tätig:

  • Acht Jahre habe ich als Seelsorger in verschiedenen Kirchengemeinden gewirkt. Ich habe Menschen in ihren inneren und äußeren Konflikten begleitet, Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Beerdigungen gehalten und Religions- und Konfirmandenunterricht erteilt.
  • In mehreren kirchengemeindlichen Kindertagesstätten war ich für die Geschäftsführung zuständig und hatte so manchen Konflikt beizulegen.
  • Beim Bevollmächtigten des Rates der EKD bei Bundesrepublik Deutschland und der EU  war ich von 2005-2006 an der Schnittstelle von Kirche und Politik tätig.
  • Seit 2012 bin ich Referent der Regionalbischöfe im Kirchenkreis Nürnberg. Hier ist mir wichtig, zwischen den Systemlogiken von Kirchengemeinde und Kirchenamt zu vermitteln und dadurch zu einer guten Meinungsbildung und Entscheidungsfindung in unserer Kirche beizutragen.
  • Im Rahmen des Beteiligungs-und Organisationsentwicklungsprozess „Berufsbild: Pfarrerin, Pfarrer“ wirke ich an Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitszufriedenheit von Pfarrerinnen und Pfarrern mit.

Ein Anliegen ist mir der Kontakt zum Ausland und die Vermittlung zwischen unterschiedlichen kulturellen Perspektiven:

  • Ein halbes Jahr habe ich bei der Deutschen Seemannsmission in Lomé (Togo) Seeleute begleitet.
  • An der Afrika-Initiative von Bundespräsident Horst Köhler und dem 2. Afrika-Gipfel in Accra/Ghana habe ich 2006/07 als „Young Leader“ teilgenommen.
  • In den neunziger Jahren habe ich regelmäßig Hilfstransporte nach Kroatien und Bosnien gefahren.

Seit 2008 bin ich mit Jessica Tontsch verheiratet, seit 2014 habe wir eine Tochter. Durch sie lerne ich die Welt mit staunenden Kinderaugen zu sehen.

Mein liebstes Hobby ist das Musizieren auf Geige und Bratsche. Dies betreibe ich in Form von Kammermusik und im Siemens-Orchester Nürnberg als Streicher und Vorstandsmitglied. Ich liebe Werke, die in einem konsonanten Akkord enden, wobei zwischenzeitliche Dissonanzen die Musik interessant machen.